life Schreiadler: November Newsletter

16.11.2016

November Newsletter

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Baumaßnahmen in der westlichen Sernitzniederung sind seit 9 Monaten abgeschlossen. Es wird daher Zeit, einen Blick hinter die (Schilf-)Kulissen zu werfen.

Nach dieser kurzen Zeit, also nur einer Vegetationsperiode, sind in der Fläche bereits viele Veränderungen sichtbar. Die ehemalige Schilffläche erblühte in unterschiedlichen Farben. Die Abtorfungsflächen sind schon jetzt weiträumig von charakteristischer Moorvegetation besiedelt. Viele Flächen zeigten im Frühsommer einen hübschen Blühaspekt von Gilb- und Blutweiderich. Pflanzenarten wie Gliederbinse, Minze, Sumpf-Weidenröschen oder Sumpfsegge waren vor Umsetzung der Maßnahmen nur punktuell und in meist geringer Dichte aufzufinden. Zur Zeit breiten sich diese Bestände zusehends aus. Dennoch ist die gegenwärtige Artengarnitur lediglich ein Zwischenstand (Sukzessionstadium) auf dem Weg zu neuen dauerhaften Pflanzengemeinschaften. Die im Winter gut erkennbaren reinen Wasserflächen sind nur noch in sehr wenigen Bereichen vorhanden.

Aber nicht nur auf die Pflanzenwelt haben die Maßnahmen einen offensichtlich positiven Effekt: Im Frühjahr diesen Jahres wurden die Flächen erfolgreich als Brutplatz von Kranich, zahlreichen Kiebitzen und zwei Paaren Flussregenpfeifer bezogen. Zudem nutzten neue Gäste wie Bruchwasserläufer, Kampfläufer und Bekassine die Schlammfluren über eine längere Zeit als Rast und Nahrungshabitat. Auch nutzten sehr viele Rotbauchunken die neu entstandene Fläche, um mit ihren unverwechselbaren Rufen potenzielle Partner anzulocken. Da bis auf den Kranich alle diese Arten bisher nicht in diesem Gebiet der Sernitzniederung erfasst wurden, freuen wir uns darüber, diese "neuen" Arten nunmehr auf den Maßnahmenflächen vorgefunden zu haben.

Um Baumaßnahmen umzusetzen oder landwirtschaftliche Nutzung naturschutzgerecht und moorschonend zu gestalten, sichert unser Projekt Flächen durch Kauf oder Entschädigung. Im Bereich der Sernitz ist dieser Teil unseres Projektes weitgehend abgeschlossen. Die letzten Verträge betreffen den Tausch von Flächen. Insgesamt konnten 211 ha Ödland- und Grünlandflächen für unseren Projektpartner, die Michael-Succow-Stiftung, erworben werden. Hierfür sei allen Beteiligten herzlich gedankt! Auf dem Großteil der erworbenen landwirtschaftlichen Flächen wirtschaften die selben Betriebe wie vorher. Die Pachtverträge enthalten nun jedoch Auflagen zum Schutz von Wiesenbrütern, Moorboden und Nährstoffeinträgen.

Mitte Juni, während der alljährlichen Evaluierung durch den von der EU beauftragen Projektbetreuer Herrn Dr. Bergmann, gelang es endlich, Schreiadler auch einmal in natura gemeinsam zu beobachten. Das wunderschöne Paar flog direkt über unseren Köpfen. So groß die Freue darüber war, so groß war auch eine damit verbundene Sorge. Denn eigentlich hätte zu dieser Zeit mindestens ein Vogel in der Nähe des Horstes sein müssen. Da beide Vögel zusammen beobachtet wurden, war das kein gutes Zeichen...

Klarheit erhielten wir dann bei unserer Zusammenkunft der regionalen Schreiadler-Experten, Horstbetreuer, Vertreter der Projektpartner, der Vogelschutzwarte und der Unteren Naturschutzbehörde am 13. September. Besprochen wurden vor allem die Gründe, warum Brutreviere aufgegeben wurden, und was wir hier verbessern können. Tatsächlich war das von uns beobachtete Paar nicht zur Brut geschritten, obwohl es in den vergangenen Jahren eines der zuverlässigsten Paare war. Viele Teilnehmer waren sich einig, dass gegenwärtig in den Brutwäldern viel mehr Störungen durch Freizeitnutzung zu bemerken sind als früher. In diesem Jahr brüteten in Brandenburg 20 Brutpaare. 10 Jungvögel wurden gezählt, was einen unterdurchschnittlichen Wert darstellt. Also kein Anlass zur Entwarnung!

Noch bevor "unsere Schreiadler" ihre Reise in den Süden begannen, bekamen wir Besuch aus den Überwinterungsländern Mosambik und Äthiopien. Die Delegationen besuchten die Großschutzgebiete der Region und informierten sich über unser Schreiadlerprojekt. Natürlich übergaben wir gleich ein paar Exemplare unseres Schreiadler-Buches, welches auch in englischer Sprache erschienen ist. Mittlerweile wurde das Buch in insgesamt 14 Länder auf der Zugroute des Schreiadlers verteilt. Aus allen Ländern bekamen wir tolle Rückmeldungen. Durch den Kontakt mit den vielen Schreiadler-Fans in anderen Ländern mussten wir unsere Vorstellung vom Begriff "unsere Adler" gründlich überdenken.

Bei Bruchhagen und auf den "Bullenwiesen" zwischen Zolldamm und Bahnhofsstraße in Greiffenberg werden gegenwärtig Entbuschungsmaßnahmen für die Einrichtung von Weidekoppeln, kleinere wasserbauliche Maßnahmen und den Moorerlebnispfad durchgeführt. Die vom Wasser- und Bodenverband nach wie vor unterhaltenen Gräben bleiben von den Maßnahmen unberührt.

Für den zweiten größeren Bauabschnitt "Renaturierung der Sernitz und angrenzender Moore oberhalb Greiffenberg" findet am 14.12.2016 um 10.00 Uhr im Ratssaal des Rathauses von Angermünde der Erörterungstermin statt. Der Termin ist nicht öffentlich.

Nach 18 Monaten verlässt unsere Bundesfreiwillige Friederike Zahn das Projekt. In dieser Zeit mauserte sie sich zu einem schlagkräftigen Mitglied unseres Teams. Wir danken ihr herzlich für ihren Einsatz und wünschen ihr alles Gute!

Herzliche Grüße, Ihr LIFE Projekt-Team

Life Schreiadler vorgestellt

Ein europäisches Naturschutzprojekt mit dem Ziel, die Lebensräume der drei stark gefährdeten Vogelarten Schreiadler, Wachtelkönig und Seggenrohrsänger wiederherzustellen.

Kontakt

Dr. Benjamin Herold
Projektleiter
Tel: (03331) 3654-16
benjamin.herold@lfu.brandenburg.de

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